Was beim „Recycling“ von Werbetextilien wirklich passiert
„Recycling“ klingt nach einer einfachen Lösung für ein komplexes Problem. Doch sobald es darum geht, was damit im Kontext von Werbetextilien tatsächlich gemeint ist, wird es schnell unübersichtlich. Je nach Gesprächspartner reichen die Antworten von reiner Verbrennung über chemische Zersetzung bis hin zu Upcycling-Projekten.
Für Unternehmen im Handel und in der Markenkommunikation entsteht daraus ein echtes Dilemma: Ohne klar definierte Begriffe lassen sich keine belastbaren, nachhaltigen Entscheidungen treffen. Und die Frage, welche Prozesse hinter diesen Schlagworten stehen – und welche Auswirkungen sie auf CO₂-Bilanz, Materialkreisläufe und Kosten haben – bleibt häufig unbeantwortet.
Der klassische Weg: Entsorgung
In vielen Fällen endet der Lebenszyklus von Werbetextilien nach dem Ende einer Kampagne relativ schnell. Materialien werden gesammelt und an externe Entsorgungsunternehmen übergeben.
Ein Großteil dieser Materialien wird anschließend thermisch verwertet – also verbrannt. Aus ökologischer Sicht ist das der ungünstigste Weg, da dabei die im Material gebundene Energie verloren geht und gleichzeitig zusätzliche CO₂-Emissionen entstehen.
Chemisches Recycling: Aufwendiger Weg mit vielen Hürden
Ein weiterer Ansatz ist das sogenannte chemische Recycling. Dabei werden Kunststoffe in industriellen Anlagen in ihre chemischen Grundbestandteile zerlegt, beispielsweise durch Verfahren wie Pyrolyse. Diese Prozesse können grundsätzlich funktionieren, sind jedoch technisch sehr aufwendig und nur in wenigen großen Industrieanlagen möglich.
In einem ersten Schritt entstehen zunächst Zwischenprodukte wie Pyrolyseöl oder Kohlenstoffreste, die anschließend erneut industrielle Verarbeitungsschritte durchlaufen müssen, um wieder zu neuen Kunststoffen zu werden. Die daraus resultierenden Materialien liegen meist bei einem vier- bis fünffachen Marktpreis – eine wirtschaftliche Alternative entsteht dadurch kaum.
Besonders problematisch wird das Verfahren, sobald PVC-hältige Materialien ins Spiel kommen, wie sie in der Außenwerbung häufig vorkommen. Durch die bei der Zersetzung entstehenden Chlorverbindungen kommt es zu Korrosion in den Anlagen, wodurch solche Materialien praktisch nicht chemisch recycelt werden können.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der in der Praxis selten offen angesprochen wird: Eine durchgängige Rückverfolgbarkeit vom ursprünglichen Material bis zum neu erzeugten Polymer ist im chemischen Recycling kaum gegeben. Für Unternehmen, die belastbare Daten für CO₂-Bilanzen oder ESG-Berichte benötigen, ist dies ein strukturelles Problem, denn ohne Transparenz lässt sich kein echter Kreislauf belegen.
Re-Use: Neue Produkte aus alten Materialien
Eine weitere Strategie ist die direkte Wiederverwendung von Werbetextilien in Form neuer Produkte – etwa Taschen, Möbel oder Accessoires.
Solche Projekte können durchaus sinnvoll sein und leisten einen Beitrag zur Verlängerung des Materiallebenszyklus. Gleichzeitig hängen sie stark davon ab, ob sich für die daraus entstehenden Produkte ein stabiler Markt findet.
Wenn Absatzmärkte fehlen oder Preise stark unter Druck geraten, kann auch dieser Ansatz schnell an wirtschaftliche Grenzen stoßen.
Werkstoffliches Recycling als kontrollierter Kreislauf
Vor diesem Hintergrund hat TREVISION einen eigenen Recyclingansatz entwickelt, der stärker auf industrielle Umsetzbarkeit und nachvollziehbare Materialkreisläufe ausgerichtet ist.
Mit ONE TWO MORROW® entstand ein im eigenen Haus aufgebauter Recyclingprozess für PET-basierte Werbetextilien. Im Kern handelt es sich um ein geschlossenes System: Materialien aus der eigenen Produktion werden nach ihrer Nutzung wieder zurückgenommen, sortiert, technisch aufbereitet und in erneut in den Materialkreislauf geführt – ohne chemische Verfahren und vollständig dokumentiert.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren
Ein weiterer wichtiger Aspekt: Als registriertes Recyclingunternehmen verfügt TREVISION über die notwendigen gesetzlichen Voraussetzungen, um Materialien auch aus internationalen Kampagnen zurückzunehmen und weiterzuverarbeiten.
Transparenz und wissenschaftliche Begleitung
Ein wichtiger Bestandteil des Systems ist die transparente Dokumentation aller Materialströme. Über eine digitale Plattform können beteiligte Unternehmen verfolgen, welche Materialien gesammelt, verarbeitet und erneut eingesetzt werden.
Die Auswertung dieser Daten – einschließlich der daraus resultierenden CO₂-Einsparungen – erfolgt in Zusammenarbeit mit der Johannes Kepler Universität Linz. Die wissenschaftliche Begleitung stell sicher, dass die Ergebnisse nachvollziehbar, überprüfbar und für Nachhaltigkeitsberichte nutzbar sind. Unternehmen erhalten damit belastbare Daten, die sie in ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung verwenden können.
Perspektivisch kann der Ansatz auch an weiteren Standorten oder gemeinsam mit Partnerunternehmen umgesetzt werden, um regionale Kreislauflösungen aufzubauen.
Für TREVISION ist Recycling kein isolierter Prozess, sondern Teil einer umfassenderen Verantwortung, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette gedacht wird.